Häufige Notfälle und Erste-Hilfe-Massnahmen, die auch ein untrainierter Besitzer selber durchführen kann

Atemnot

Mund-zu-Nase-Beatmung unter der Vorraussetzung, dass die Atemwege frei sind, nur als kurzfristiges Mittel geeignet:

  • Kopf des Patienten strecken

  • Zunge zwischen Schneidezähne einklemmen und Lefze schliessen

  • Spender bläst seine Ausatmungsluft durch die beiden Nasenlöcher des Patienten.

Bei kleineren Hunden, bei Katzen oder Heimtieren muss der Spender seine Ausatmungsluft in Mund und Nase des Patienten blasen.

Beatmungsfrequenz: 10-12 Atemzyklen pro Minute

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Auge

Fremdkörper: nicht entfernen, das Auge könnte auslaufen, mit feucht-kühlen Tüchern abdecken, den Patienten am Kratzen hindern (Pfotenverband), sofort in die Praxis.

Stumpfes Augentrauma: kühlen

Vorfall des Augapfels (Auge tritt aus der Augenhöhle): Abdeckung mit kalten, feuchten Tüchern, sofort in die Praxis.

Augenverätzung: wesentlich ist eine schnelle Erstversorgung: das Auge über mehrere Minuten mit körperwarmem Wasser ohne Druck ausspülen. Anschliessend ist das Auge mit feuchten Tüchern abzudecken, den Patienten am Kratzen (Pfotenverband) hindern, sofort in die Praxis.

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Blutungen - Leichte Blutungen

Blutungen, bei denen keine grösseren Gefässe verletzt sind (Schürfwunden und oberflächliche Schnittwunden, bei denen die Wunde nicht klafft), werden am besten durch gleichbleibenden, mehrere Minuten andauernden Druck gestoppt. Dazu eignet sich ein steriler Tupfer oder ein sauberes Stück Stoff, welches auf die Wundränder gedrückt wird.

Kommt die Blutung nach einigen Minuten nicht zum Stillstand, können Sie die Wunde mit einem Kühlakku oder Eisbeutel aus dem Gefrierschrank kühlen. Drücken Sie den Eisbeutel nicht direkt auf die Wunde (Erfrierungsgefahr), sondern legen Sie etwas Gaze oder Stoff zwischen Wunde und Kühlpackung.

Reinigen Sie die Wunde nicht, bevor die Blutung gestoppt ist. Vermeiden Sie Reiben oder Betupfen der Wunde.

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Stärkere Blutungen

Ist die Blutung mit einfachem Druck nicht unter Kontrolle zu bringen, müssen Sie einen Druckverband anbringen und die Praxis aufsuchen.

Druckverband:

Material:

  • Mullbinde, Verbandspäckchen oder sauberes Stück Stoff

  • Mullbinde oder elastische Haftbinde

  • Klebeband

Vorgehen:

Legen Sie ein Verbandspäckchen, Mullbinde oder sauberes Stück Stoff (keine Watte) auf die Wunde. Fixieren Sie dieses mit einer Binde. Zum zusätzlichen Halt können Sie den Verband am Fell oder der Haut festkleben.

Es ist wichtig darauf zu achten, dass der Verband nicht zu lang die Blutzirkulation der darunterliegenden Gewebe beeinflusst. Da die Venen dünner sind als die Arterien werden diese zuerst abgedrückt. Das Blut kann nicht mehr richtig abfliessen, es kommt zur Stauung. In diesem Fall müssen Sie den Druckverband unbedingt lösen und neu anlegen.

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Sehr Starke Blutungen

Lässt sich eine Blutung an den Gliedmassen oder an der Rute (Schwanz) nicht durch einen Druckverband unter Kontrolle bringen, kann die entsprechende Extremität oberhalb der Verletzung abgebunden werden. Lassen Sie die Staubinde nie länger als 10 Minuten angezogen. Kommt es danach nicht zur Verringerung der Blutung, ziehen Sie die Staubinde erneut an.

Das Tier sollte sofort in die Praxis gebracht werden.

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Dekontamination von Haut/Fell

Wasserlösliche Gifte, ätzende Verbindungen: Baden mit viel lauwarmem Leitungswasser, mind. 10 Minuten spülen, gut abtrocknen.

Fettlösliche Gifte: Baden mit lauwarmem Wasser, alkalifreie Seife (wenn nötig abwechslungsweise mit Speiseöl) verwenden, gut abspülen und abtrocknen.

Trockene Pulver: Entfernen mit Staubsauger oder Bürste.

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Gynäkologische Notfälle

Trächtigkeitsdauer Katze & Hund:

Durchschnittlich 63-66 Tage mit einer Variation von 59-70 Tagen bei der Katze und beim Hund von 56-72 Tagen.

1 Woche vor der Geburt beträgt die Körpertemperatur rund 38°. Die Temperatur sinkt 12-24 Stunden vor der Geburt um etwa 1° oder mehr. Mit dem Einsetzen der Öffnungsphase (Erweiterung des Gebärmutterhalses, Abgehen von Schleim, Einsetzen der Wehen) steigt sie wieder an.

Katze

Der zeitliche Intervall zwischen den Welpen beträgt i.d.R. 5 Minuten bis 1 Stunde.

Bei der Katze kann es zu einer physiologischen (normalen) Unterbrechung der Geburt kommen. Nach der Geburt des 1. Welpens erfolgt eine Pause von 12-24 Stunden, erst dann werden die restlichen Welpen ausgetrieben.

Hund

Der zeitliche Intervall zwischen den Welpen dauert i.d.R. 30 Minuten, kann aber auch wenige Minuten bis mehrere Stunden (2-4) dauern.
 

Echte Störungen des natürlichen Geburtsablaufes ereignen sich bei Kätzinnen viel seltener als bei Hündinnen.

Generell gilt, eine normale Geburt dauert höchstens 24 Stunden.

Folgende Kriterien sind Anzeichen einer Geburtsstörung:

  • Die Rektaltemperatur (Temperatur im Enddarm) ist wieder angestiegen, das Tier zeigt jedoch keine Anzeichen der Geburt.

  • Der Wiederanstieg der Rektaltemperatur liegt 24 Stunden zurück, und es sind noch nicht alle Welpen geboren.

  • Bauchpresse, ohne dass eine Frucht ausgetrieben wird. Wobei zu beachten ist, dass Erstgebärende ohne weiteres 1 Stunde lang Bauchpresse haben, bevor der 1. Welpe geboren wird, wenn ansonsten keine Abweichungen vom physiologischen (normalen) Geburtsverlauf beobachtet werden. Bei Muttertieren, die zum wiederholten Male werfen, sollte dieser Zeitraum maximal 30-45 Minuten betragen.

  • Fruchtwasserabgang vor der Geburt des 1. Welpens ohne Einsetzen der Bauchpresse

  • Grün-schwarzer Scheidenausfluss vor der Geburt des 1. Welpens (Zeichen von Lösungsvorgängen an der Plazenta)

  • Abnormer Scheidenausfluss (eitrig, rein blutig, stinkend)

  • Allgemeinstörung des Muttertieres (Stöhnen, aufgekrümmter Rücken, Muskelzittern, Teilnahmslosigkeit)

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Harnabsatzstörungen (vor allem bei männlichen Tieren, insbesondere bei kastrierten Katern)

Symptome: Harndrang, häufiger Harnabsatz in kleinen Mengen, Blutbeimengen, Lecken am Penis, Schmerzäusserung, gestörtes Allgemeinbefinden.

Bei Verdachtsfall das Tier in die Praxis bringen, um sicherzustellen, dass die Passage der ableitenden Harnwege ungestört ist.

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Hitzschlag

Symptome: Hecheln, Erbrechen, Durchfall

Massnahmen:

  • Verbringen an einen kühlen, schattigen, gut belüfteten Ort

  • Abdecken mit nassen Tüchern oder einem Eisbeutel (keinen direkten Kontakt-Erfrierungsgefahr) auf den Kopf, bzw. in den Nacken legen oder

  • Das Tier mit Wasser besprühen, an den Beinen anfangen, dann Bauch, Brust und zuletzt den Kopf oder

  • Pfoten und Bauch mit Alkohol benetzen (Verdunstungskälte).

Den Patienten sofort in die Praxis bringen. Der Hitzschlag ist lebensbedrohlich

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„Kippfensterkatze“

Katzen, die nach draussen drängen, versuchen dies auch durch ein gekipptes Fenster, wenn es die einzige Möglichkeit darstellt. Beim Hindurchquetschen rutscht die Katze nach unten und bleibt meistens vor den Darmbeinschaufeln so ungünstig eingeklemmt, dass sie sich ohne fremde Hilfe nicht mehr befreien kann. Durch die Befreiungsversuche verkeilen sich die Katzen häufig noch tiefer in dem Fensterspalt. Die Katzen bleiben oft mehrere Stunden eingeklemmt, bis sie vom Besitzer gefunden werden.

Unverzüglicher Transport in die Praxis.

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Krämpfe und Anfälle

Krampfanfälle zeigen sich als plötzlich auftretende kurze Kontraktionen der Muskulatur, die meistens wieder schnell vorübergehen. Sie können aber nach einiger Zeit wieder spontan auftreten. Jeder Zustand, bei dem Krämpfe erneut auftreten, wird als Epilepsie bezeichnet.

Massnahmen:

  • Tier während des Anfalles nicht bewegen

  • Nicht versuchen die Bewegung der Beine zu stoppen

  • Entfernung aller Gegenstände, wodurch sich das Tier verletzen könnte

  • Verhinderung von zusätzlichem Lärm (Radio, Fernseher, etc.)

Treten mehrere Anfälle pro Tag auf oder Dauern die Anfälle lange, sollten Sie unverzüglich die Praxis kontaktieren.

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Magendrehung (absoluter Notfall!)

Typische Symptome:

  • Vorwölbung der Bauchdecke, klopft man auf die Bauchwand fühlt und hört es sich wie eine Trommel an.

  • Der Hund versucht erfolglos zu erbrechen, würgt.

  • Unruhe

  • Flache Atmung

  • Blasse, bläuliche Schleimhäute

Ursachen:

  • Verabreichung grösserer Mengen Futter

  • gärungsfähiges Futter

  • Spielen, bzw. Bewegung nach dem Essen.

Der aufgegaste und/oder mit Futter überladene Magen dreht sich im Uhrzeigersinn um die Speiseröhre. Die Folge ist ein teilweiser oder auch völliger Verschluss von Speiseröhre und Magenausgang. Der Magen wird sozusagen abgeklemmt, und durch die Einwirkung der Magensäure auf das Futter entsteht Gas, das den Magen immer mehr aufbläht, da es nicht entweichen kann. Die Milz, die mit dem Magen über eine dünne Gewebeplatte, das so genannte Netz, verbunden ist, kann sich übrigens mitdrehen. Blutgefässe werden stranguliert und reissen ab. Der Magen drückt auf das Zwerchfell und somit auf Herz und Lunge. Es entsteht ein lebensbedrohlicher Zustand.

Besonders häufig sind grosse Hunderassen betroffen, die Magendrehung kann aber auch bei mittleren und kleineren Hunden auftreten.

Beim geringsten Verdacht müssen Sie sich SOFORT mit unserer Praxis in Verbindung setzen.

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Maulhöhle

Insektenstiche: Diese können durch Schwellung zur Behinderung der Atmung führen oder zu allergischen Reaktionen führen. Der Patient sollte in die Praxis gebracht oder zumindest daheim für die nächsten Stunden unter strenger Kontrolle gehalten werden.

Faden hängt aus dem Maul (vor allem bei Katzen): Auf keinen Fall abschneiden oder daran ziehen, kontaktieren Sie bitte die Praxis.

Knöcherner Fremdkörper: Man kann versuchen, den verkeilten Knochen herauszuhebeln, Achtung: auch der friedlichste Hund kann in dieser Situation beissen. Die Entfernung durch den Tierarzt wird daher empfohlen.

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Nase

Nasenbluten: Kühlen

Fremdkörper: Beim Entfernen könnte der Fremdkörper abbrechen, was die vollständige Entfernung erschwert. Lassen Sie das durch den Tierarzt machen.

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Unterzuckerung bei Diabetes mellitus (=Zuckerkrankheit) Patienten

Wie beim Menschen kann auch beim diabetischen Tier eine Unterzuckerung auftreten. Dies passiert meist einige Stunden nach der Insulingabe.

Symptome: verstärkter Appetit, Schwäche, schwankender Gang, Bewusstseinsverlust, Krämpfe

Bei leichten Störungen: sofort füttern

Bei schweren Störungen (keine Futteraufnahme mehr möglich):

  • Zuckerwasser, Marmelade oder Honig ins Maul geben. Achtung: Beissgefahr

  • Kann das Tier nicht mehr schlucken: dickflüssiges Zuckerwasser, Marmelade oder Honig auf die Maulschleimhaut geben und von aussen die Backen massieren, Achtung: Beissgefahr

  • I.d.R. Besserung nach 1-2 Minuten

  • Danach eiweissreiches Futter in kleinen Portionen anbieten

  • Aufregung vermeiden

Kommt es nicht zur raschen Erholung, kontaktieren Sie uns bitte.

Auf jeden Fall müssen wir die Insulindosis überprüfen. Bitte vereinbaren Sie einen Termin.

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Verbrennungen

  • Massives Abduschen verbrannter Körperstellen mit kaltem Wasser (10-15 Minuten)

  • Nicht auf der Wunde reiben

  • Legen Sie einen Kühlakku oder Eisbeutel auf die Wunde (kein direkter Hautkontakt-Erfrierungsgefahr).

  • Tupfen Sie die Verletzung mit einem sterilen Tupfer oder einem sauberen Stoff (keine Watte) ab.

  • Verhindern Sie ein Lecken des Tieres an der Wunde.

  • Verwenden Sie keine Salben, Öle oder Butter, und stechen Sie die Brandblasen nicht auf.

 Folgen einer Verbrennung:

  • Kreislaufkollaps infolge Flüssigkeitsverlust

  • Intoxikation/Autointoxikation (Selbstvergiftung des Körpers durch zerstörte Hautfragmente und Eiweiss)

  • Bakterielle Infektionen aufgrund der Zerstörung der Hautfunktion

  • Narbenbildung

 Abhängig vom Schweregrad und Ausmass der Verbrennung sollten Sie die Praxis aufsuchen.

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Vergiftungen

Symptome: Diese sind sehr vielfältig wie z.B. Erbrechen, heftiges Speicheln, Krämpfe, etc.

Bei Flüssigkeiten muss innerhalb 1 Stunde und bei festen Stoffen innert 2 Stunden nach Giftaufnahme durch einen Tierarzt das Erbrechen ausgelöst werden.

Das Erbrechen darf nicht ausgelöst werden bei:

  • Schock, Krämpfen, Bewusstlosigkeit, Schluckbeschwerden

  • Vergiftungen mit Mineralöldestillaten, organischen Lösungsmitteln, Phenolen, Detergentien oder korrosiven Substanzen (Säuren, Laugen).

Alternative: mit viel Wasser verdünnen.

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